Start / Ausgaben / bioPress 92 - Juli 2017 / Für die Generation Zukunft bessere Kinderprodukte mit Spaßfaktor

Kinder

Für die Generation Zukunft bessere Kinderprodukte mit Spaßfaktor

Für die Generation Zukunft bessere Kinderprodukte mit Spaßfaktor

Viele Marktteilnehmer sehen im Markt für Kinderprodukte ein spannendes neues Geschäftsfeld. Aus Überzeugung und um gegenüber den bisherigen Anbietern einen Mehrwert bieten zu können, setzen sie auf Bio-Zutaten und gesündere Rezepturen.

Während die Diät-Verordnung detaillierte Vorgaben für Säuglinge und Kleinkinder bis zwölf Monaten macht, sind Kinderlebensmittel nicht näher definiert. Trotzdem gibt es Merkmale, die einzeln oder zusammen für diese Kategorie typisch sind:

  • der Begriff Kinder oder Kids in der Produktbezeichnung
  • auffällige, bunte Verpackungen mit Kinder ansprechenden Zeichnungen und Comics
  • verspielte oder kleine Formen und Figuren
  • Beigaben wie Sammelbilder und Spielideen auf der Verpackung
  • kleinere Verpackungseinheiten bzw. Portionspackungen

„Für mein Kind nur das Beste“ – dieser Anspruch von Eltern endet keinesfalls automatisch mit dem Babyalter. So wie sie Bio-Babynahrung Vertrauen entgegen bringen, so oft auch Bio-Kindersortimenten. Insofern ergänzen zum einen Bio-Hersteller mit Lebensmitteln des täglichen Bedarfs ihr Sortiment mit kindgerechten Varianten. Zum anderen positionieren sich seit ein paar Jahren vermehrt junge Spezialanbieter mit einem reinen Bio-Kindersortiment.

Verwendet werden zum einen ökologisch angebaute und GVO-freie Rohstoffe. Der zweite Vorteil liegt im Verzicht auf synthetische Aroma- oder Farbstoffe und (je nach Altersgruppe) eine Vitaminisierung. Kalorien dürfen sein, aber möglichst keine leeren. Daher süßen die Hersteller  statt mit Kristallzucker oder Glucose / Fructose-Sirup mit Honig oder alternativen Süßungsmitteln. Genauso finden sich anstelle von gehärteten Billigfetten hochwertige Pflanzenöle und -fette oder Butter in der Zutatenliste.

Dahinter steht das gemeinsame Ziel, Kindern und Jugendlichen Lebensmittel von nachhaltiger und guter Qualität nahezubringen – auf eine möglichst ungezwungene Weise. Die meisten Anbieter setzen dazu auf den Spaßfaktor. Manche, vor allem die Spezialanbieter, gehen auch auf das wachsende (Selbst)bewusstsein der Kleinen ein und sprechen sie mit informativen Details direkt an.

Zwei Beispiele:

Beschreibung der erdbär Gemüsenudeln: „Raus aus der Soße, rein in die Nudel - Karl Karotte und Tom Tomate sind in den Nudelteig gesprungen und können jetzt von Euch probiert werden. Unsere Gemüsenudeln aus Hartweizengrieß mit 25 Prozent Gemüseanteil sehen als Karl Karotte oder Tom Tomate richtig frech auf dem Teller aus und schmecken auch noch gut.“
Zubereitungsempfehlung der Tomatensoße von Jufico: „So einfach kannst du mich zubereiten: Im Wasserbad: Wasser im Topf aufkochen, Topf von der Herdplatte nehmen. Geschlossenen Beutel 3-4 Minuten in das heiße Wasser legen. Teste immer die Temperatur bevor du mich isst!“

Gewünscht: mehr Gemüse und Obst

Was Lebensmittel des alltäglichen Verzehrs betrifft, so steht hier der oft zu geringe Anteil an Gemüse und Obst im Fokus.
Schon lange bringen Unternehmen wie Buck oder Alb-Gold und Seitz mit lustigen Figuren- oder gemüsegefärbten Nudeln Abwechslung auf den Mittagsteller; Kinder-Tomatenketchup bildet die schnelle Saucen-Alternative. Erdbär als einer der Spezialanbieter erhöht den Gemüseanteil in den Kindernudeln auf ein Viertel und kann daher von Gemüsenudeln sprechen.
Als echte Quelle für Gemüse und Obst empfehlen sich allerdings doch eher Säfte und Pürees. Neben der riesigen Auswahl an sich, bieten manche Bio-Saftereien auch Varianten extra für Kinder an. Die Rotbäckchen Fruchtsäfte von Haus Rabenhorst haben längst Kultcharakter, und auch die extra säurearmen aromatischen 7-Zwerge-Säfte von Voelkel gehören nicht von ungefähr seit Jahren fest zum Programm der Mosterei.

Dabei handelt es sich jeweils um hochwertige Mehrfruchtsäfte in Bio-Qualität, die durch die verwendeten Obstsorten ein Potpourri an Vitaminen und Mineralstoffen ins Glas bringen. Beutelsbacher beweist mit dem Eos-Kindersaft, dass ein gewisser Gemüseanteil überhaupt nicht stört – vor allem, wenn es sich um süße Möhren handelt. 

Immer größer wird auch die kindgerechte Auswahl an Produkten für Schule oder Freizeit. Neben erfrischenden Fruchtsaftschorlen und Säften in extra kleinen Flaschen oder Tetrapacks betrifft das aktuell besonders sämige Fruchtpürees in kleinen Quetschbeuteln beziehungsweise Pouches, wie sie Vitagermine aus Frankreich schon seit mehr als zehn Jahren anbietet.
Sehr aktiv in diesem Bereich zeigen sich die Kinderprodukte-Anbieter wie Damia (Mogli), Jufico (Fruchtbar), erdbär (Freche Freunde) oder Brand & Vision (Sesamstraße). Ganz ähnlich wie bei fertigen Smoothies sorgen sie mit diversen Rezepturen für reichlich Abwechslung.

Reine Fruchtmischungen dominieren. Gern pürieren die Hersteller Apfel, Banane und ähnliche Obstklassiker, die manchmal doch schon mit Exoten à la Guave oder Passionsfrucht ergänzt werden. Genauso gibt es Sorten, die zusätzlich zu Obst Gemüse oder sogar Getreidemehle enthalten und so den Gehalt an Ballast- oder Mineralstoffen erhöhen.

Bis auf Holle, die seit diesem Jahr ebenfalls Fruchtpürees führen, setzen die Anbieter mit Blick für die Kinder auf lustig aufgemachte Designs. Trotzdem werden die Kunden – in diesem Falle die Eltern – auf wichtige Produktdetails aufmerksam gemacht. Etwa, ab welchem Alter sie geeignet sind, auf Glutenfreiheit oder den Verzicht von zugesetztem Zucker. Die sogenannten Moothies von Damia sowie die Produkte von Holle tragen außerdem das bekannte Demeter-Siegel.

Gebäck und Snacks – Qualität steht an erster Stelle

Die ersten Knabberprodukte, an denen Kinder ihre Zähnchen ausprobieren dürfen, sind und bleiben Zwieback und speziell ausgelobte Kinderkekse. Hergestellt werden sie aus bewusst wenigen Zutaten und kaum oder ganz ohne Zucker.

Bei Zwieback setzen die etablierten Bio-Anbieter wie Holle, Erdmann-Hauser, Sommer & Co. / Praum, Pural oder Werz zum einen wieder auf Demeter Qualität und zum anderen auf Dinkel, den sie dann gern mit Butter kombinieren. Als gute Idee hat es sich außerdem erwiesen, alternativ Mini-Zwieback (u.a. Holle) oder Zwieback in Wolkenform (Erdmann Hauser) anzubieten.

Kinderkekse zeichnen sich ihrerseits durch ihre Zartheit und einen weicheren Biss aus. Dank der häufigen  niedlichen Prägungen schauen viele Kinder außerdem jeden einzelnen Keks erst einmal näher an, bevor sie ihn essen. Einige der Spezialanbieter wollen auch mit bekannten Testimonials wie den Figuren aus der Sesamstraße oder die Dschungelbuch-Figuren (Allos und Brand & Vision bzw. Mogli) Aufmerksamkeit wecken.

So oder so erstaunt es insofern nicht, dass die Bio-Gebäcke vom klassischen Butter- bis zu Tier-Keksen weit über das Säuglingsalter hinaus von Eltern und Verwandten sehr geschätzt werden.

Weniger ist mehr

Im Trend liegen bei den Kindersortimenten des Weiteren luftige Snacks aus gepufftem oder extrudiertem und meist glutenfreiem Getreide. Die Auswahl umfasst zum einen alle möglichen Formen von Stangen über Bällchen bis zu Tierformen.

Zum anderen finden  sich – Erwachsene werden ebenfalls angesprochen – neben naturbelassenen Varianten auch dezent gewürzte, gesüßte oder fruchtig verfeinerte Snacks.  Technologisch in den gleichen Bereich fallen zart-knusprige Frühstücks-Cerealien in Sternchen oder Kringeln, die sich dank ihrer Kleinheit gut löffeln lassen.

Mit Beginn der Schule orientieren sich Kinder immer mehr an den Konsumgewohnheiten der Älteren. Die Helden Snacks, die wie erdbär zu goodforgrowth gehören, wollen gezielt die Essgewohnheiten der Generation von sechs bis zwölf positiv beeinflussen. Wieder stehen süße und herzhafte Bio-Snacks zur Auswahl, diesmal unter anderem mit Datteln, Kokosraspeln und etwas kräftigeren Gewürzen.

Die coole Ansprache der Kinder unterstützt den Auftritt. Mit 100 bis 200 Kalorien pro Packung sollen die Snacks dem empfohlenen Energiegehalt einer Zwischenmahlzeit für Kinder entsprechen und insofern die Fahrt im Schulbus guten Gewissens verkürzen.

Dass manche Kinderprodukte für diese Altersgruppe zutatenmäßig ansonsten derzeit allgemein beliebten Bio-Produkten ähneln, zeigt sich schließlich an den gefriergetrockneten Frucht- oder Gemüsechips von erdbär oder den reinen Linsen-Kartoffel-Chips von Jufico.

Frucht- und Getreideriegel: nach dem 12. Monat

Der Großteil der Anbieter ergänzt seine Kinderrange durch Riegel, einem weiteren Bio-Klassiker. Meist handelt es sich um 25-Gramm-Portionen, wobei dünne Oblaten die Kinderhände vor dem Verkleben schützen.
Auch wenn die Kinder mit einem Jahr weniger sensibel auf neue, exotische  Zutaten reagieren, überwiegen gewohnte Früchte wie Apfel, Birne oder Banane. Außerdem sind die Hersteller bei den Riegeln oder Fruchtschnitten für kleinere Kinder mit Nüssen eher zurückhaltend. Zu den Ausnahmen gehören die Mogli-Riegel mit Mandeln, zum anderen die Riegel von den Helden Snacks für Schulkinder, die durchaus Nüsse enthalten und die auch der Zielgruppe entsprechend in größeren 30 - Gramm-Einheiten angeboten werden.

Ein anderer Bereich, wo konventionelle Kinder-Renner als Vorbild für gesündere Bio-Produkte dienen, sind Milchriegel. Hier hat Cow-Cow jetzt einen lustig bebilderten Milchsnack für das Kühlregal auf den Markt gebracht. Milchsnacks stünden nicht für ein klassisches Bio-Verständnis, heißt es bei dem Startup. Aber genau hier wolle man ansetzen und beliebte Konsumprodukte in einer ökologischen Variante anbieten. Denn Spaß und  Bio-Qualität müssten sich keinesfalls ausschließen.

Bettina Pabel

Verpackung als Kritikpunkt
So praktisch die Quetschbeutel auch sind, so ruft der durch die beschichteten Kunststoffverpackungen weiter wachsende Abfallberg durchaus Kritik hervor. Die Bio-Hersteller sind sich dessen bewusst. Man arbeite bereits an Alternativen, um den Bio-Gedanken der Produkte auch auf die Verpackungen zu übertragen, heißt es dazu bei Brand & Vision. Bisher seien zumindest die bunten Schraubdeckel als Zusammensteck-Spielzeuge konzipiert, so dass man eine Neuverwendung erreiche. Erdbär verfolgt einen ähnlichen Ansatz, indem die Verpackungen jetzt zu mehr als 80 Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen bestehen und einem Recyclingprogramm zugeführt werden. Bei Jufico schließlich, werden die gesammelten Beutel recycelt, im Rahmen einer Behinderten-Initiative zu witzig-bunten Mäppchen und anders zusammengenäht und kostenfrei an die Konsumenten zurückgeschickt. 
Gerade bei Bio-Käufern rufen die kleinen Verpackungen auch in anderen Kategorien generell Skepsis hervor. Die Hersteller erklären sich damit, dass es sich um typische Produkte für unterwegs oder als Zwischenmahlzeit handelt und der Kaloriengehalt dabei einer Kinderportion entsprechen soll. 
Für die Zielgruppe der 1- bis 14-jährigen Kinder spielen vier Warengruppen die Hauptrolle:
- Fruchtpürees im Quetschbeutel
- luftige Getreidesnacks  
- Kekse
- Frucht- und Müsliriegel
Kindertee, Müsli, Gemüsechips und anderes ergänzen die Auswahl an gefragten Trockenprodukten, mit denen Händler ein entsprechendes Sortiment aufbauen könnten.

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