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Wachsende Bio-Märkte und wachsende Öko-Flächen

Es hat Tradition, dass auf der Biofach die aktuellen Zahlen zur nationalen und internationalen Entwicklung des ökologischen Landbaus und des Bio-Marktes präsentiert werden – in diesem Jahr mit eindeutig positiver Tendenz.

Anbau-Highlights für 2015:

- Öko-Landwirtschaftsfläche stieg weltweit auf 50,9 Millionen Hektar, zuzüglich der Fläche für kontrollierte Wildsammlung und Imkerei
- Australien, USA, Indien, Spanien, Frankreich erzielten besonders hohen Zuwächse, auch in vielen Teilen Afrikas gibt es jetzt relevante Flächen
- Ein Viertel der Öko-Fläche entfällt auf Europa mit 12, 7 bzw. 11,2 Millionen Hektar in der EU
- Liechtenstein, Österreich und Schweden verzeichnen die höchsten Bio-Anteile an ihrer Gesamt-Landwirtschaftsfläche  

Allerdings wuchs die globale Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln weiterhin schneller als die Erzeugung. Das gilt auch für Deutschland, wenngleich sich die Schere langsam etwas schließt. Laut dem Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) machte der Öko-Landbau Ende 2016 hier 7,1 Prozent an der Landwirtschaft aus. Im Vergleich zu europäischen Öko-Vorreitern liegt Deutschland damit im vorderen Mittelfeld. Mit einem Wachstum von fast 9 Prozent gegenüber dem Vorjahr sei man aber auf gutem Weg.

Wie entwickelt sich der deutsche Bio-Markt? Während der Umsatz mit konventionellen Lebensmitteln in 2015 um gerade einmal 2,6 Prozent wuchs, verbuchte Bio ein Wachstum von zehn Prozent (Fachhandel knapp 6 und LEH 15 Prozent) und erreichte 8,6 Milliarden Euro. Der Anteil am Gesamtmarkt stieg auf fünf Prozent, wobei die meisten Einkäufe im herkömmlichen Einzelhandel (LEH und Drogeriemärkte) getätigt wurden. Diana Schaak von der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft AMI betonte in ihrer Bilanz, dass in fast allen betrachteten Warengruppen Umsatz- und Absatzsteigerungen erzielt wurden. Dabei hätten die Vollsortimenter zugleich mehr höherwertige Produkte wie Öle oder veredelte Geflügelteile gelistet und verkauft. Am häufigsten entschieden sich die Verbraucher zu Bio-Qualität bei Eiern, dann bei Milch und Gemüse, Speiseöl, Obst, Joghurt und Kartoffeln. Der gestiegene Absatz von Bio-Gemüse und Kartoffeln sei insofern besonders bemerkenswert, als dass schlechte Ernten die Ware zusätzlich verteuert hätten, ergänzte Schaak. Das Engagement des Handels, das Frischesortiment auszubauen und möglichst lange deutsche Kartoffeln und Möhren zu führen, habe offensichtlich Früchte getragen.

Davon unabhängig gab es für die ebenfalls gewachsene Zahl an Importeuren reichlich zu tun und zwar nicht zuletzt im Frischebereich. Beispielsweise mussten Paprika zu 93, Tomaten zu 88, Gurken zu 80 und Zucchini zu 75 Prozent nach Deutschland importiert werden. Zu den Ländern, die dagegen von einem hohen Selbstversorgungsgrad profitierten, gehört Frankreich. Eva Lacarce von Agence Bio nannte in diesem Zusammenhang unter anderem Eier und Wein, die jeweils zu 99 Prozent aus nationaler Bio-Erzeugung stammten, Fleisch mit 98 und Milchprodukte mit 93 Prozent. Für 2016 schätzt Agence Bio den Umsatz in Frankreich, wo der Bio-Markt seit ein paar Jahren ein dynamisches Wachstum erlebt, auf 7 Milliarden Euro. Das entspräche einem Plus von 20 Prozent gegenüber 2015. Bezüglich der besonders gefragten Bio-Produkte stehen ebenfalls Eier und Milch an erster Stelle – allerdings mit deutlich höheren Marktanteilen als in Deutschland (24 bzw. 11 Prozent). Ebenfalls auf dem Vormarsch ist Bio-Wein, inzwischen mit acht Prozent Marktanteil.

Jedes Land hat seine eigene Entwicklung und Herausforderungen. Das zeigt sich auch am Beispiel Italien. Hier stiegen der organische Landbau 2015 auf einen Anteil von 11 Prozent und der Bio-Handelsumsatz auf 2,3 Milliarden Euro. Dr. Raffele Zanelli von der Università Politecnica delle Marche konnte im Rahmen des Biofach-Kongresses Details für 2016 ergänzen. Demnach kauften die Italiener unter anderem mehr Marmelade und Konfitüre, Backwaren, Eier, Milchalternativen und Pasta mit Bio-Siegel. Gerade bei Getreide als Rohstoff für Pasta und Mehl, aber auch anderen Produkten sei Italien in hohem Maß von Importen abhängig, sagte Zanelli. Auf der anderen Seite habe die Branche jedoch auch wieder mehr Bio ausführen können.
In Großbritannien gestaltet sich die Situation wesentlich durchwachsener.

Der Bio-Markt wuchs zwar ebenfalls deutlich stärker als der konventionelle (5,6 gegenüber 0,6 Prozent), wie Dr. Susanne Padel von Organic Research Center vermeldete. Die Bio-Fläche sei aber gesunken. Die Erzeugung-Nachfrage-Schere gehe bei den Briten (Bio-Umsatz im Handel 2,6 Milliarden Euro in 2015) also weiter auseinander. Selbst wenn der Einfluss des Brexit völlig unklar sei – die Bio-Branche habe die Verbraucher auf ihrer Seite. Gute Chancen damit auch für eine Kampagne, für die Großbritannien jetzt zusammen mit Organic Denmark die Zusage für die finanzielle Unterstützung durch die EU bekommen hat. Das Ziel: Stärkung des Öko-Landbau, des Bio-Marktes und des Verbraucherbewusstseins.
(umfassende Informationen und Graphiken in „The World of Organic Agriculture 2017“ von FiBL und IFOAM unter www.organic-world.net/yearbook/yearbook-2017.html)

Bettina Pabel
 


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