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Molkerei Berchtesgadener Land sagt „Nein!“ zu TTIP

Klare Stellungnahme gegen das Freihandelsabkommen / Molkereiprodukte heute und morgen ohne Gentechnik

Molkerei Berchtesgadener Land sagt „Nein!“ zu TTIP © Molkerei Berchtesgadener Land
„TTIP bedroht unsere Molkereigenossenschaft und die alpenländische Kulturlandschaft.“ 
Bernhard Pointner, Geschäftsführer der Molkerei Berchtesgadener Land.

Piding, 23. Februar 2016: Diese Woche steht die zwölfte TTIP-Verhandlungsrunde zwischen den USA und der EU in Brüssel an. Tritt die dort verhandelte Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft (TTIP) in Kraft (geplant: 2016), wird das gravierende negative Folgen für die Agrarwirtschaft in Deutschland haben. So ist davon auszugehen, dass z.B. das Thema Gentechnik Einzug in Deutschland hält, wie es die amerikanischen Agrarkonzerne wollen. „TTIP bedroht unsere Molkereigenossenschaft sowie die gesamte alpenländische Kulturlandschaft, die sich durch ein Höfesterben deutlich verändern wird“, äußert sich Bernhard Pointner, Geschäftsführer der Molkerei Berchtesgadener Land. Gentech-Kennzeichnungsregeln werden voraus-sichtlich eingeschränkt bzw. ganz abgeschafft. „Eine stärkere Orientierung auf den Export ist für die kleinen Landwirte unserer Genossenschaft keine Lösung. Ein liberalisierter transatlantischer Markt wird den Preis- und Kostendruck auf die Milch nochmal verschärfen und folglich die Existenz vieler deutscher und insbesondere bayerischer Landwirte gefährden“, sagt Pointner. Deshalb bezieht die Molkerei Berchtesgadener Land ganz klar gegen TTIP Stellung.

80 Prozent der deutschen Bundesbürger sprechen sich gegen den Kauf von gen-technisch veränderten Lebensmitteln aus . In Zukunft könnten jedoch gentechnisch veränderte und ungekennzeichnete Produkte auf der Tagesordnung stehen – dann nämlich, wenn die zwischen der EU und den USA geplante Transatlantische Han-dels- und Investitionspartnerschaft in Kraft tritt. Dem Druck der amerikanischen Groß-konzerne wird die EU nicht standhalten können. Gentech-Zulassungsverfahren wer-den vereinfacht oder ganz gestrichen, US Gentech-Produkte den EU-Markt fluten. Damit wird der Druck steigen, gentechnisch veränderte Pflanzen auch in der EU an-zubauen. 

Großer Einfluss der Gentechnik-Lobby 

Auch wenn die EU Kommission beteuert, dass TTIP die EU-Gentechnikgesetzgebung unangetastet lässt , besteht Grund zur Sorge. Denn die Agro-Gentechnik ist wie jeder andere Bereich Verhandlungssache und läuft damit hinter verschlossen Türen ab.

Das Entscheidende ist : Die EU-Gentechnikgesetzgebung ließe sich diskret erledi-gen. Zwar blieben die Gesetze zunächst auf dem Papier bestehen, aber die Verhand-lungspartner einigen sich auf die gegenseitige Anerkennung von Standards und Pro-dukten. Das bedeutet: Was in einem Wirtschaftsraum zugelassen ist, ist auch im an-deren zugelassen, und zwar zu den Bedingungen, die im jeweils anderen Wirtschafts-raum gelten. In der Folge könnten die USA den EU-Markt mit einer Vielzahl von Gen-tech-Pflanzen fluten und dies ohne Kennzeichnung. Damit wäre der zweite Schritt vorprogrammiert: Die Vertragspartner, die ein „lebendiges Abkommen“ verabschiedet haben und jederzeit weitere „Handelshemmnisse“ abbauen können, könnten die An-gleichung von Standards vornehmen – Zulassungsverfahren von Gentech-Pflanzen und Kennzeichnungsregeln würden „harmonisiert“. 

Dabei ist es eher unwahrscheinlich, dass die USA die vergleichsweise höheren EU Standards übernimmt: Zu einflussreich ist die Gentechnik-Lobby jenseits des Atlan-tiks, aber auch diesseits – sie alle wollen keine Auflagen sondern einen freien unge-störten Marktzugang. 

Milchprodukte: Natürlich ohne Gentechnik – jetzt und in Zukunft 

Aus diesen Gründen spricht sich die Molkerei Berchtesgadener Land ganz klar gegen TTIP aus: „TTIP verhindert die weitere Kennzeichnung von Lebensmitteln, die mit Hilfe von gentechnisch veränderten Organismen erzeugt werden, bzw. erschwert die Ohne-Gentechnik-Kennzeichnung z. B. von Milch von Tieren, die keine Futtermittel aus gentechnisch veränderten Pflanzen erhalten haben. Das ist nicht im Sinne unse-rer Kunden!“, äußert sich Bernhard Pointner, Geschäftsführer der Molkerei Berchtes-gadener Land. 
Laut EU-Gentechnik-Recht sind Milch, Fleisch oder Eier von Tieren, die Futtermittel aus gentechnisch veränderten Pflanzen erhalten haben, nicht kennzeichnungspflich-tig. Bei den Produkten der Molkerei Berchtesgadener Land kann sich der Verbrau-cher allerdings sicher sein: „Alle Landwirte – Bio- und Bergbauern – der Molkereige-nossenschaft füttern verpflichtend nur traditionell, und garantiert ohne Gentechnik“, bestätigt Pointner. Für den Verbraucher ist dies an dem hellgrünen „Ohne Gentech-nik“-Siegel der Bundesregierung auf den Milchverpackungen deutlich erkennbar. Denn seit 2009 und hoffentlich auch weiterhin können Lebensmittelhersteller in Deutschland ihre Produkte mit dem offiziellen, staatlichen Siegel freiwillig ausloben. 

Damit die Milchprodukte der Molkerei Berchtesgadener Land auch in Zukunft gen-technikfrei bleiben und der Verbraucher dies transparent nachverfolgen kann, sagt die Molkereigenossenschaft „Nein!“ zu TTIP.


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