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Gesunde KiTa-Verpflegung darf keine Glückssache sein

Sarah Wiener fordert bundesweite Standards

Berlin, 3. Juni 2014  |  Zur gestern veröffentlichten Studie der Bertelsmann Stiftung „Is(s)t KiTa gut? KiTa-Verpflegung in Deutschland: Status quo und Handlungsbedarfe“ erklärt Sarah Wiener:  „Wenn nur ein Drittel der Kinder in Kindertagesstätten in den Genuss eines ausgewogenen Mittagessens kommen, ist das beschämend für ein reiches Land wie Deutschland. Die Studie der Bertelsmann Stiftung zeigt einmal mehr, wie notwendig eine breite Debatte um Kinderernährung in der Bundesrepublik ist.

Gesunde KiTa-Verpflegung darf keine Glückssache sein! Wir brauchen bundesweit verbindliche Standards. Beim KiTa-Essen muss Qualität vor Preis gehen. Es muss doch jedem klar sein, dass man für weniger als drei Euro keinem Kind dauerhaft ein anständiges Mittagessen bieten kann.“

Sarah Wiener und die Sarah Wiener Stiftung fordern deshalb einen „Runden Tisch KiTa- und Schulverpflegung“. Dieses Gremium soll bundesweite Regeln für die Ernährung und Ernährungsbildung von Kindern in Kindergärten und Schulen erarbeiten. Es soll sich ebenfalls damit befassen, wie ein „Preiskampf“ zu Lasten der Qualität bei der Verpflegung von Kindern verhindert werden kann.

Sarah Wiener KiTa-Catering: Mit gutem Beispiel voran

In ihrer eigenen Firma geht Sarah Wiener in Sachen KiTa-Essen mit gutem Beispiel voran: In einem Modellprojekt verpflegt das Team des Sarah Wiener KiTa-Catering mittlerweile fünf Einrichtungen mit 430 Kindern in Berlin mit ausgewogenen und schmackhaften Mittagessen. Die Köche bereiten ausschließlich Essen für die Kleinkinder- Verpflegung zu. Dabei richten sie sich nicht nur nach den Vorgaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), sondern entwickeln eigene, über die DGE-Empfehlungen hinausgehende Standards zusammen mit den Kindertagesstätten weiter.

Großen Wert legt das Team von Sarah Wiener KiTa-Catering auf saisonale, frische, naturbelassene Zutaten von regionalen Produzenten, überwiegend in Bio-Qualität. Auf dem Speiseplan steht nur einmal pro Woche Fleisch, dafür jeden Tag Gemüse und einmal pro Woche MSC-zertifizierter Seefisch. Rund 75 Prozent der verwendeten Getreideprodukte sind Vollkorn. Alle Mahlzeiten sind selbstverständlich frei von jeglichen Geschmacksverstärkern, Farb- und Konservierungsstoffen.

„Wir wollen die Kinder mit abwechslungsreichen Speisen an ein breites Spektrum von natürlichen Zutaten heranführen. So wird ihr Geschmackssinn geschult – mit Spaß und Genuss“, erklärt Anja Schermer, Projektleiterin des KiTa-Catering. „Dabei arbeiten wir eng mit dem pädagogischen Fachpersonal zusammen.“ Die Einrichtungen geben über beigefügte Auswertungsbögen täglich Feed-back zum Essen. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, dass sie in das erfolgreich erprobte Kochkurs-Programm der Sarah Wiener Stiftung eingebunden werden können.

Sarah Wiener KiTa-Catering bereitet die Speisen im „Cook & Chill“-Verfahren zu: Die Mahlzeiten werden gekocht, auf eine Temperatur unter 4 Grad Celsius gekühlt und gekühlt an die Kitas geliefert. Dort werden sie fertig gekocht und auf Verzehrtemperatur erwärmt. Das Verfahren hat den Vorteil, dass Geschmack, Textur und Farbe des Essens optimal erhalten bleibt.

Derzeit soll das Modellprojekt ausgeweitet werden und sucht noch weitere Kindertagesstätten in Berlin. Interessierte Einrichtungen können sich bei Anja Schermer melden. (Telefon: 030 / 70 71 80-244, schermer@sarahwiener.de)

Riesige Wissenslücken beim Thema Ernährung auch bei Pädagogen

Ein weiterer Knackpunkt bei der Verpflegung von Kindern in der KiTa: Die Erzieherausbildung berücksichtigt das Thema Ernährung und Ernährungsbildung unzureichend. Neben Qualitätsstandards bei der Mittagsverpflegung müssen Standards für eine nachhaltige Ernährungsbildung in der Erzieherausbildung Pflicht werden.

In dem jüngst abgeschlossenen Projekt „Landschaft schmeckt“, das die Sarah Wiener Stiftung mit Unterstützung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt umgesetzt hat, arbeitete sie bundesweit mit 80 KiTas und 60 Pädagogischen Fachschulen zusammen und bildete über 1.500 angehende ErzieherInnen weiter.

„Wir haben in der Arbeit mit den Nachwuchs-Pädagoginnen und –Pädagogen riesige Wissenslücken entdeckt“, so Daniel Mouratidis, Geschäftsführer der Stiftung. „Die Erzieherinnen und Erzieher stoßen oftmals vollkommen unvorbereitet auf das Thema Ernährung von Kindern. In unseren Kursen fehlte einigen Teilnehmenden jegliches Basiswissen.“


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