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Milchprodukte 2011:

Orientierung und Vertrauensbildung sind angesagt

Der Mopro-Markt zeigt in diesem Jahr bislang insgesamt eine positive Tendenz, auch wenn der Export als wichtiges Standbein momentan eine leichte Abschwächung durchmacht. Dabei tat der Preisanstieg im Frühling diesem Trend keinen Abbruch. Obwohl die Milchauszahlungspreise dadurch leicht gestiegen sind, haben Milchbauern nach wie vor Existenzsorgen. Besser stehen die Bio-Landwirte da, die mit den Verarbeitern zuverlässige und faire Partner gefunden haben. Auch die Umstellungsbereitschaft der deutschen Landwirte hat sich erhöht. Dennoch bleibt Bio-Ware knapp und der Markt greift zwangsläufig ergänzend auf EU-Ware zurück.


Foto: Upländer
 

Von der deutschen Milch werden 2,5 Prozent als Biomilch erzeugt, während der Bio-Anteil bei Lebensmitteln insgesamt bei 3,5 Prozent liegt. Einige Warengruppen liegen höher, wie beispielsweise Obst + Gemüse mit rund sechs Prozent. Es ist also durchaus noch Potenzial vorhanden. Schaut man sich speziell die weiße Linie aus ökologischer Erzeugung an, scheint dieser Bereich momentan eher auf Stabilisierung und Markenpflege ausgerichtet zu sein. Das ist durchaus wichtig: Der Verbraucher will vertrauenswürdige Ware – bevorzugt aus Deutschland – und für die zahlt er auch einen Mehrpreis.

Trotz der Zurückhaltung gibt es im Kühlregal wieder spannende Neuheiten, die auch bei den anstehenden Messen zu sehen sein werden. Dabei kommen zum einen die großen, allgemein gefragten Themen wie Regionalität und Nachhaltigkeit zum Tragen, zum anderen die gestiegene Nachfrage nach laktosefreien Milchprodukten.

Regionalität auch bei Milchprodukten im Trend


Die Anbieter von Milchprodukten legen den Begriff Regionalität recht unterschiedlich aus und beziehen in ein entsprechendes Angebot meist nur das Basissortiment mit ein. Viele Bio-Markenhersteller sind ihren konventionellen Kollegen hier um Jahre voraus, schließlich arbeitet ein Großteil schon immer mit Landwirten aus einem relativ eng begrenzten Einzugsgebiet zusammen. Rückverfolgbarkeit wird bei ihnen nicht nur in der Theorie groß geschrieben, sondern lässt sich auch nachprüfen.

Zur Kommunikation nutzen immer mehr Betriebe das Internet. Die Upländer Bauernmolkerei und die Gläserne Molkerei arbeiten dabei zum Beispiel mit Adressen-verlinkten Landkarten. Bei der Andechser Molkerei Scheitz gibt der Verbraucher dagegen Name und MHD eines Produktes auf der Unternehmensseite ein und erfährt auf diesem Weg dessen genaue Herkunft.

Die Milch-Union Hocheifel (MUH), die mit Bio-Milch eine neue Kundengruppe erschließen will, bietet diese zusätzlich mit dem Logo der Förderorganisation Regionalmarke Eifel an und konzentriert sich auch beim Absatz auf den näheren Umkreis. Den Weg direkt über den Markennamen schließlich, nutzt die Schwarzwaldmilch (ehemals Breisgaumilch) und verbindet mit der Marke Schwarzwaldmilch Bioland eine authentische Herkunft mit einem bekannten Bio-Label.

Bei höher veredelten Produkten trifft man dagegen weder im konventionellen noch im Bio-Bereich oft auf Produkte, die als regional ausgelobt werden können. Ein interessantes Beispiel dafür, dass es durchaus funktioniert, stellt die neue Jogurtlinie „Deutsche Obstbaueren“ von Söbbeke dar. Neben deutscher Bio-Milch verarbeitet die Bio-Molkerei in den bisher drei Sorten den Zucker und das Obst aus Deutschland, unter anderem Äpfel und Birnen aus dem Alten Land. Wiederum kommt bei der Verbraucherkommunikation das Internet ins Spiel, und zwar über einen Videofilm über die jeweiligen Bauern.

Neue Frucht-Jogurt-Verlockungen

Andere Bio-Hersteller, seien es die großen Mopro-Vollsortimenter oder die kleineren Marktteilnehmer, sind ebenfalls im Bereich Jogurt kreativ geworden. Die Andechser Molkerei Scheitz etwa, steht bezüglich der verarbeiteten Menge Biomilch mit fast 100 Millionen Kilo pro Jahr an erster Stelle und sieht sich im Fachhandel in den Produktlinien Jogurt und Molkegetränke oder Ziegenmilchprodukte als Marktführer (dicht gefolgt von Söbbeke).

Ihre seit Juni erhältlichen neuen Fruchtjogurts mit 15 Prozent Fruchtanteil gibt es in vier erfrischenden Geschmacksrichtungen. Indem sie in transparenten 150 Gramm-Bechern abgepackt sind, soll der Kunde schon beim Kauf einen Blick auf den Inhalt werfen können. Auffällig emotional ist das Marketing für die neue Linie: sie nennt sich „Frucht & Liebe“, und in der Werbung heißt es verheißungsvoll: „Schon mal Jogurt geküsst?“

Im Bereich cremig gerührte Frucht Jogurts gibt es gleichfalls Neues. So bringt unter anderem Schwarzwaldmilch aktuell die Sorten Sauerkirsch und Rhabarber, abgefüllt im lichtgeschützten 500 Gramm-Mehrwegglas, auf den Markt. Nur neu in der Größe ist dagegen der demeter Heidelbeer- Jogurt von der Molkerei Schrozberg, den es jetzt zusätzlich im Ein-Kilo-Vor-ratsbecher gibt. Alle genannten Beispiele basieren auf Vollmilch, was dem Verbraucher einen vollmundigen, milden Genuss garantiert.


Die Milchwerke Berchtesgadener Land (BGL), bei denen von den 237 Millionen Kilo erfasster Milch bereits 53 aus ökologischer Erzeugung stammen, gilt vor allem als Spezialist für Milch. Doch auch sie werden zu den Herbstmessen einen neuen Jogurt mitbringen: Der Frucht & Knusper Jogurt Waldfrucht erweitert die bisherigen drei Sorten mit Müsli im convenienten Deckelaufsatz.

Genuss und Kalorienbewusstsein schließen sich gerade im Bio-Bereich nicht aus, wie das Angebot an fettreduzierten Mopro zeigt. Hinzu gekommen sind hier beispielsweise zwei erfrischende Sorten Fruchtkefir von Schrozberg im 250 Gramm Glas, die sich durch ihre Jogurtähnliche Konsistenz auszeichnen.

Einzelne Sortimentserweiterungen, wie sie derzeit Kärntnermilch unter ihrer Marke Bio+ anbietet, ergänzen das weiße Neuheitenregal. Die Österreicher sehen sich als einzige Molkerei des Landes mit einem vollständigen Bio-Sortiment als Herstellermarke, wobei sie die Bio-Milch ausschließlich von Landwirten aus Kärnten bekommen.

Mit neuen fruchtigen Sorten Trinkjogurt dürften sie besonders dem Interesse der wachsenden Gruppe an Lifestyle-Ökos, Jüngeren und Sportlern, entgegen kommen. Daneben reagieren sie auf die wachsende Zahl an Single- und Zwei-Personenhaushalte und bieten ihre Teebutter jetzt im 125 Gramm-Paket, ESL-Vollmilch im Halbliter-Tetrapack und Trinkkakao mit 250 Milliliter an.

Ohne Lactose oder Kuhmilcheiweiß – ein wachsender Markt


Kuhmilchallergiker greifen auf der Suche nach richtiger Milch, Quark oder Jogurt fast immer zu Bio –  weil diese Produkte aus Schaf- oder Ziegenmilch fast ausschließlich im Bio-Bereich zu finden sind. Der konventionelle Handel hält sich bei diesem höherpreisigen Sortiment bislang zurück, dafür findet man im Fachhandel eine gute Auswahl.

Zu den dort vertretenen Anbietern gehört beispielsweise Leeb, ebenfalls aus Österreich. Mit ihrer weißen und bunten Palette aus Schaf- und Ziegenmilch sehen sie sich im Ranking an erster Stelle. Da diese Warengruppe neben den gesundheitlichen Vorzügen auch geschmacklich punktet, liege im Distributionsausbau aber nach wie vor großes Potenzial, heißt es bei Leeb. Mit Testpreisen, Verkostungsmustern, Testtagen oder Verkostungen am POS könnte der Handel daher gut neue Verbrauchergruppen gewinnen.

In Deutschland leiden schätzungsweise 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung an Lactoseintoleranz. Doch auch diese möchten endlich mit Genuss und unbesorgt ihren Kaffee weißen, Müsli mischen oder  Jogurts löffeln. Daher erfreuen sich lactosefreie Produkte seit ein paar Jahren steigender Nachfrage. Der Markt reagiert: Immer mehr Bio-Anbieter ha­ben zusätzlich Milchprodukte ohne den unerwünschten Milch­zucker im Programm. Schwarzwaldmilch, die im LEH ebenso zu Hause sind wie im Bio-Fachhandel, will es dem Kaufmann leicht machen und bietet jetzt ein ganzes lactosefreies Sortiment aus einer Hand an. Die Produktlinie LAC Bioland reicht dabei von Frisch- und H-Milch über Jogurt bis zu Sahne oder Quark.

Mehrwert durch Verbandsware

Im Handel sei neben geforderter Qualität Verbandsware besonders gefragt, teilt die Gläserne Molkerei ihre Erfahrung mit. Das Unternehmen, das mit der gläsernen Produktion in Münchehofe für Transparenz steht, arbeitet zum einen mit Verbands- und zum anderem mit NOP-zertifizierten Bauern zusammen. Diese erfüllen zusätzlich die strengen Vorgaben vom National Organic Program der USA.

Eine weitere Spezialität in ihrem Angebot an Frischmilch-Sorten, Butter, Quark und Jogurt sowie Käse ist eine demeter-Heumilch. Hier müssen die Tiere mit Gras und Kräutern oder Heu gefüttert werden und geben dadurch geschmacklich besonders hochwertige Milch. Durch die intensive Öffentlichkeitsarbeit von Käseherstellern aus Österreich und Oberbayern dürfte dieser Produktvorteil mittlerweile vielen Verbrauchern bewusst sein.

Die Gläserne Molkerei spricht in punkto Anforderungen für die meisten Anbieter von Bio-Milchprodukten. Daher bieten fast alle deutschen Markenhersteller Verbandsware an. Teilweise greifen sie dabei ebenso wie die Gläserne Molkerei auf Ware mehrerer anerkannter Öko-Verbände zurück; beispielhaft kann man hier die Andechser Molkerei Scheitz nennen.

Manche Hersteller legen den Schwerpunkt dagegen auf einen einzelnen Verband und haben von anderen nur bestimmte Produkte im Programm. Dazu gehören etwa Söbbeke (überwiegend Bioland, teilweise Naturland und demeter) oder die Molkerei BGL (viel Naturland, daneben demeter). Schwarzwaldmilch und die Upländer Bauernmolkerei gehören schließlich zu den Molkereien, die fast ausschließlich Bioland-Rohstoffe einsetzen, während es bei Schrozberg demeter ist.
Bettina Pabel

 


Mehr Bio-Milch im April

Im April erhöhten sich  die Bio-Milchanlieferungsmengen gegenüber dem Vormonat um 2,4 Prozent und erreichten mit 55,6 Millionen Kilo Bio-Milch den bisherigen Jahreshöchstwert, wie die AMI meldet. Das Plus zum Vorjahresmonat liegt bei 12,9 Prozent.

Die Gesamtanlieferung liegt bei 2.509,6 Millionen Kilo. Der Anteil der Bio-Milch an der Gesamtmen­ge beträgt 2,2 Prozent. Der durchschnittliche Bio-Milchpreis stieg im Mai im Vergleich zum Vormonat um 0,5 Cent an auf 42,8 Cent.

 


Upländer stellt zweiten Produktions-Standort vor

Seit Anfang des Jahres hat die Upländer Bauernmolkerei aus Willingen mit der von ihnen übernommenen Käserei in Neukirchen (Schwalm-Eder-Kreis) einen zweiten Betriebsstandort. Im Rahmen eines großen Sommerfestes stellten sich Aufsichtsratsvorsitzender Josef Jacobi und Geschäftsführerin Karin Artzt-Steinbrink am 10. Juli in der Region vor.

Zwar soll in der „Bauernmolkerei Neukirchen“ weiterhin die Traditionskäsemarke Kleiner Strolch im Vordergrund stehen, doch werden ab August verschie­dene Bio-Käse unter der bekannten Marke Up­länder das Sortiment für den Handel erweitern: Bio-Schnittkäse (Rahmkä­se) in den Sorten Natur, ge­räuchert, Bärlauch, schwar­zer Pfeffer und Chili/Paprika sowie ein Bio-Kochkäse mit Kümmel.

Die erforderliche Bio-Milch wird bislang in Willingen miterfasst und von dort je nach Bedarf in die Käserei geliefert. Ein positives Ergebnis für die Region hat die Investition der Upländer Bauernmolkerei schon jetzt, denn dadurch konnten wieder neue Bio-Landwirte gewonnen und in den regionalen Lieferantenpool aufgenommen werden.


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