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Regionalmarketing von Bio-Produkten

Wie nachhaltig kann Bio in einer globalisierten Welt überhaupt noch sein? Sind die Begriffe bio und regional noch zu trennen? Das waren zwei der Fragen, der sich die Teilnehmer einer Diskussionsrunde zum Thema Regionalität und Nachhaltigkeit beim 3. Bio Handels-Forum in Köln stellen mussten. Befragt wurden sie von Bernward Geier, dem vormaligen Direktor der IFOAM.

Die Verbraucher nehmen die Angebotsfülle an Bio-Waren positiv auf und greifen immer selbstverständlicher zu. Zu­gleich besteht aber auch ein ausgeprägter Wunsch nach regionalen Produkten, wie die Runde unisono feststellte. Um­fragen sprechen dafür, dass der Aspekt Regionalität mittlerweile oft sogar höher bewertet wird als eine ökologische Erzeugung.


Podium: (v. li. n. re.) Armin Kullmann, Toralf Richter, Wielfried Kamphausen, Dirk Vollertsen, Karin Artzt-Steinbrink und Moderator Bernward Geier

Karin Artzt-Steinbrink, Mitbegründerin des Vereins 'Bestes Bio - fair für alle' verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass die Globalisierung bei vielen Menschen ein Gefühl des Ausgeliefertseins auslöse.

Das wachsende Interesse an heimischen Lebensmitteln geht einher mit der Gründung von regionalen Vermark­tungsinitiativen, die aber nur manchmal auf Bio-Ware bezogen sind.

Armin Kullmann vom Institut für ländliche Strukturforschung (IfLS) nannte hier die Zahl von bereits 400 solcher Initiativen. Tendenz steigend. Die CMA fördere schon länger eine Regionalvermarktung von Lebensmitteln, sagte Wilfried Kamphausen, der dort das Ressort Wirtschaftspartner leitet. Regionalität ist ein Plädoyer gegen Massenware und kann der Bio-Branche ein positives Gesicht geben. "Die Branche kann davon lernen. Regionalität ist eine Chance für Premium-Bio."

Toralf Richter von der Schweizer Bio Plus AG meinte, viele Konsumenten seien enttäuscht, wenn die angebotenen Bio-Waren nicht aus der Nähe stammen: "Oft durchschauen sie aber nicht, wo die Grenzen liegen." Außerdem fehlten regionale Bio-Angebote, da einzelne Bauern selten entsprechende Projekte realisieren könnten.

Als Lösungsbeispiel stellte er das Projekt BioRegio Zentral­schweiz vor, das von Bio Plus fachlich begleitet wird. Es handelt sich hierbei um einen Verband, zu dem der Verband BioSuisse, Landwirtschafts­ämter und Vertreter aus Gast­ro­nomie und Handwerk zu­sammengeschlossen ha­ben.
Ziel ist der Aufbau einer organisierten Vermarktungsplattform für Bio-Produkte mit regionalem Bezug. So sollen etwa bei einzelnen Projek­ten die Strukturen verbessert, die regionale Wertschöpfung erhöht und die Unabhängigkeit der Bio-Produzenten gesichert werden. Letztendlich soll durch die bessere Vermarktung von lokal erzeugten Bioprodukten auch der Anteil an Biobetrieben zunehmen.

Bei allen Initiativen müsse allerdings zunächst geklärt werden, was überhaupt mach­bar ist, warf  Kamphausen ein. Dirk Vollertsen von Bioland fragte nach den Grenzen. Milch und Fleisch werden re­gional erzeugt, und das Soja im Futter  stammt aus Italien. "Ehr­lichkeit ist noch wichtiger als Regionalität", sagte er. Zu­dem verwies Vollertsen auf die Notwendigkeit, den heimi­­schen Öko-Anbau und die Produktion weiter zu erforschen.

"Wer erklärt den Kunden den Regio-Aspekt?", fragte Unternehmensberater Christoph Soika seine Mitstreiter. Schließ­lich kann sich Regionalität zum Beispiel auf eine definierte geographische Kulisse wie die Rhön oder die Eifel beziehen. Ebenso kann damit auch Käse aus dem Elsass gemeint sein, also regionale Produkte bestimmter  auslän­discher Herkunft.


Das Publikum lauscht interessiert der Diskussion

Als Zielgruppe für regionale Bio-Waren machten die Redner vorrangig den mündigen Verbraucher aus, der über ein ganzheitliches Wahrnehmungskonzept angesprochen werden kann. Dieses sollte nicht nur den geographischen Bezug beinhalten, sondern unter anderem auch Fair­­­ness und Nachhaltigkeit.

In diesem Zusammenhang kam die Sprache auf die Initiative Bestes Bio, wo der Gedanke 'Fairness beginnt vor der Haustür' eine wesentliche Rol­le spielt. Die Menschen müss­ten erfahren, dass regionale Bio-Produktion Arbeitsplätze sichert, Randlagen unterstützt, Boden, Flora und Fauna schützt, hieß es weiter­hin. Ist dafür ein weiteres Zeichen notwendig, wurde ge­fragt.

In der Runde ging die Tendenz dahin, dass weitere Label zwar denkbar, aber nicht unbedingt notwendig seien. Zumal viele etablierte Unternehmen mit ihren Marken sowieso schon derartige Kriterien vertreten würden.

Mindestens drei Punkte sollten den Zuhörern bewusst geworden sein: Regionalität ist eine Chance für Premium-Bio. Netzwerke als Initiativen mit partnerschaftlichem Ansatz schaffen Vertrauen. Schlüssige Ideen sind er­wünscht - auch von Seiten des Handels.

Bettina Pabel

 

3bhf_2008_09_16_8_Regionalmarketing_Nachhaltigkeit.mp3 3bhf_2008_09_16_8_Regionalmarketing_Nachhaltigkeit.mp3 (13.05 MB)

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